Die Geschichte unserer Gemeinde
140 Jahre Gemeinde Schwarzenberg - eine Gemeindechronik von Eva Maria Schönfeld
Liebe Internetnutzer, 

Wer von Euch liebt Puzzlespiele? 

Einmal begonnen, kann man nicht mehr aufhören, bis das letzte Puzzle das Bild vollendet. Die uns als Buch vorliegende Gemeindechronik von Schwarzenberg hat viele Gemeinsamkeiten mit einem Puzzle. 

Oft wurden Kleinigkeiten wichtig, um Lücken zu füllen oder Unklarheiten abzuklären. 

Herzlichen Dank Allen, die mich dabei unterstützt haben.

Die Anfänge waren völlig unspektakulär und mit viel Tatendrang und Mut verbunden. 

Prediger Zimmer aus Zwickau knüpfte um die Jahreswende 1870/71 die ersten privaten Verbindungen ins Erzgebirge. Im April oder Mai 1871 hielt er eine erste methodistische Versammlung im Haus des Gutsbesitzers Schwartz in Bernsbach, das nur auf familiärer Ebene möglich war. Im gleichen Jahr wurde Prediger Mann nach Zwickau versetzt. Sofort nahm er die entstandenen Kontakte ins Erzgebirge auf. 

Er fasste den Entschluss, die Stadt Schwarzenberg zum Zentrum der Arbeit im Erzgebirge zu machen. Entscheidend war die seit 1858 bestehende Eisenbahnverbindung Zwickau – Schwarzenberg. Darüber hinaus war die Stadt als Amtshauptmannschaft das Verwaltungs-, Wirtschafts- und Verkehrszentrum des Westerzgebirges. Die umliegenden Orte waren gut zu erreichen. 

Gegen Ende 1871 hielt Prediger Mann zwei christliche Vorträge im Kursaal des Bades Ottenstein und im Ratskeller. „Hunderte Menschen aus allen Ständen der Stadt und den umliegenden Orten fanden sich ein.“ So ist es im ersten Kirchenbuch von Schwarzenberg verzeichnet. 

Im Jahr 1872 wurde Hilfsprediger Lutz von Zwickau aus nach Schwarzenberg geschickt. Bei Schmiedemeister Graupner in der Badstraße wurde eine Unterkunft angemietet. Nach dem Dissidentengesetz von 1870 war es den damaligen „Gesellschaften des Zwickauer Bezirkes der Bischöflichen Methodistenkirche im Königreich Sachsen“ nur möglich, private Hausandachten abzuhalten. Diese mussten genehmigt werden. Für das Durchführen von Gottesdiensten lagen vom Kultusministerium keine Genehmigungen vor. 

Nach langem Kampf: Versammlungsverboten, Beschimpfungen und Anzeigen sandten im Frühjahr des Jahres 1873 64 Methodisten aus dem Vogtland und dem Erzgebirge ein Gesuch an das Sächsische Kultusministerium mit der Bitte, das durchführen von Gottesdiensten zu gestatten. Am 28. Juni 1873 wurde die Genehmigung für die Städte Zwickau, Reichenbach, Plauen und Schwarzenberg erteilt. Der angemietete Wohnraum in der Badstraße reichte nun nicht mehr aus. 

Aus der „Acta die Methodisten betreffend“, die ab 1874 vom Stadtrathe zu Schwarzenberg geführt wurde geht hervor:

„Nennung des Ortes der gottesdienstlichen Zusammenkünfte in der Stadt Schwarzenberg: Carlsbader Straße 120/21 im Haus des Herrn E. Merkel, Kaufmann daselbst.“ 

Im Anbau einer ehemaligen Nagelschmiede fanden etwa 150 Gottesdienstbesucher Platz. Immer mehr Menschen kamen, auch aus den umliegenden Orten. Zu Fuß, bei Wind und Wetter nahmen sie weite Wege auf sich, um das Wort Gottes zu hören. Der erste Probeprediger wurde nach Schwarzenberg versetzt und bald kamen Gehilfen hinzu. 1879 kam Prediger Kehl nach Schwarzenberg. Die Arbeit hatte sich so weit ausgebreitet, dass 1880 eine Neuaufteilung des Gemeindebezirkes erforderlich war. Die Bezirke Schwarzenberg und Chemnitz wurden vom Zwickauer Bezirk abgetrennt. Der Bezirk Schwarzenberg reichte nun von Schneeberg bis zur böhmischen Grenze. 

Stellen wir uns vor, wir würden von Neudorf oder Schneeberg nach Schwarzenberg laufen. Wie könnten wir uns die Zeit Verkürzen? 

Durch Singen! 

Und das haben unsere Vorfahren zur Genüge getan! Prediger Carl Heinrich Burkhardt , der mit seiner Familie nach Schwarzenberg kam, wurde als der rechte Mann zur rechten Zeit begrüßt. 1882 gründete er den ersten Gesangsverein. Den vorhandenen Predigtsaal in der Nagelschmiede schätzte er als ungenügend ein. Er überwand alle Schwierigkeiten beim Kauf eines Bauplatzes und entwickelte die Pläne für den Kirchenbau. Alles ging sehr schnell. 

Am 29.5. 1883 erteilte der Stadtrat von Schwarzenberg die Genehmigung zum Bau eines „Betsaales mit Predigerwohnung“. 

Bereits am 31. Oktober 1883, dem Reformationstag, wurde unsere „Zionskapelle“ eingeweiht. 

Die äußere Fertigstellung erfolgte im Frühjahr 1884. Da Methodisten als „Sektierer“ eingestuft wurden, gab es nur einen Bauplatz außerhalb der Stadtmauern. 1889 wurde neben unserer Kirche die Stadtschule errichtet und Jahre später über unserer Kirche die Königlich – sächsische - Bezirkssteuereinnahme. 

Gott hatte uns den rechten Bauplatz zugewiesen, die Kapelle stand jetzt mitten in der Stadt.

1886 entwickelte sich die Gemeindearbeit, auch in den umliegenden Orte so sehr, daß eine erneute Aufeilung durch die Jährliche Konferenz erforderlich machte. Es entstand der Schneeberger Bezirk. 

Was war so besonders an den Methodisten? 

Hatten sie wirklich eine neue „Methode“, wie ihnen nachgesagt wurde? Nein! Die Antwort ist ganz einfach. Die Methodisten haben Gottes Wort verkündigt, gebetet, viel gesungen und Gemeinschaft gepflegt. Sie standen in der treuen Nachfolge Jesu. 

Sie waren einfach miteinander auf dem Weg. 

1886 kam Prediger Ernst Pucklitzsch nach Schwarzenberg. Seine Frau war adliger Herkunft, besaß eine gute Bildung und hatte eine herrliche Stimme. Sie gestaltete nicht nur Gesangs- Gottesdienste in Schwarzenberg, sondern war auch oft mit dem Sängervater Ernst Gebhardt im Lande unterwegs. Im Kirchenbuch finden sich aus dieser Zeit immer wieder Hinweise auf strenge Kontrollen der Versammlungen und Anzeigen, die auch mit empfindlichen Geldstrafen verbunden waren. Das Singen spielte eine besondere Rolle in den Anfängen unserer Kirche. Die Leute kamen zu den Gottesdiensten in selbstgemachten Schuhen oder Socken mit aufgenähten Sohlen von Pöhla, Neudorf, Crottendorf, Breitenbrunn, Grünhain, Beierfeld usw. nach Schwarzenberg. Sie waren arm, aber sie konnten fröhlich singen! Sie waren hungrig nach dem Wort Gottes. Sie waren auf der Suche nach einem festen Halt in einer unruhigen Welt und Zeit. Sie ließen sich nicht durch Verbote abhalten. In den Versammlungen und Gottesdiensten empfingen sie große Kraft und Glaubensgewissheit. 

Das 1. Sängerfest des Mitteldeutschen christl. Sängerbundes fand am 11. Mai 1893 in Schwarzenberg, Bad Ottenstein statt und erzielte eine große Außenwirkung. Prediger Engelbert Wunderlich hatte großen Zuspruch durch viele musikalische und evangelistische Veranstaltungen. Diese Offenheit unserer Kirchentür brachte überaus gut besuchte Gottesdienste. Das erregte großes Aufsehen in der Stadt und gab Anlass zu mancher Anzeige. Die Behörden reagierten mit gerichtlichen Vorladungen, Verwarnungen und Geldstrafen von Gemeindegliedern. Einen breiten Raum missionarischer Arbeit nahm das Verteilen christlicher Schriften an die Menschen auf der Straße ein. 

1897 erfolgte eine erneute Teilung des Schwarzenberger Bezirkes. Annaberg wird mit 7 Gemeinden selbstständig. Die Muttergemeinde hat ihre Gemeinden ringsum immer unterstützt, sei es beim Bau eigener Kapellen oder die Einrichtung von Dienstgruppen. 

Um die Jahrhundertwende war die Not hier im Erzgebirge groß. Die Behörden überwachten die Gemeinden vielfältig. Öffentliche Beschimpfungen und Beleidigungen der Methodisten waren an der Tagesordnung. All das waren Faktoren, die für den Aufbau unserer Gemeinden. nicht förderlich waren. Dennoch entschloss sich die Gemeinde unter Führung von Prediger Barkemeier 1907 für eine Erweiterung der Kapelle. Damit konnte dem akuten Platzmangel abgeholfen werden. 

1909 wurde Lauter von Schwarzenberg. abgetrennt und bildete mit den Gemeinden Bernsbach, Elterlein und Grünhain einen neuen Bezirk. 

1914 begann der 1. Weltkrieg. 

Die Gemeinde erlebt viele unruhige Jahre. Das Kaiserreich geht zu Ende. Auch auf der neuen politischen Bühne kommt Deutschland nicht zur Ruhe. Die Inflation belastet auch unsere Gemeinden und ihre Mitglieder sehr. Trotzdem ist das Wachsen unserer Gemeinden nicht aufzuhalten. Schon 1924 erfolgt die nächste Trennung und damit Vergrößerung des Werkes. Raschau bildet mit Markersbach, Pöhla und Rittersgrün einen neuen Bezirk. Rings um Schwarzenberg wird eine Kapelle nach der anderen eingeweiht. So erhält auch Neuwelt 1926 eine Holzkapelle, die an den Sonntagen ausschließlich für die Kinderarbeit genutzt werden konnte. Erst 1936 hat Neuwelt eigene Sonntagsgottesdienste. Nach der Weltwirtschaftskrise wird die materielle Not im Erzgebirge besonders groß Prediger Vogel schreibt in dieser Zeit.:

„Das Werk befindet sich in einer ruhigen und steten Entwicklung. In diesen materiellen Notzeiten macht sich viel Haltlosigkeit unter den Menschen breit und es gilt, als Gemeinde den Glauben zu beweisen. 

Viele Geschwister konnten in dieser schweren Zeit in die Gemeinde aufgenommen werden. Als Hitler an die Macht kommt, bessert sich die wirtschaftliche Lage, jedoch die Kirchen geraten zunehmend unter politischen Druck. Für die Machthaber sind die Kirchen nur Mittel zur Festigung der eigenen Macht. Ein Missionar Czerwinski hält 1934 in der Gemeinde Lehrvorträge und bringt die Gemeinde Schwarzenberg in tiefe innere Bedrängnis, so dass es jahrelang den Pastoren nicht gelingt, der Gemeindespaltung Herr zu werden. Dieses traurige Kapitel findet im Anhang des Buches besondere Aufarbeitung. Die Glaubenstreue vieler Gemeindeglieder fand den Weg mit Gottes Hilfe auch durch diese Zeit Der Name Zionskapelle musste im Konferenzjahr 1937/38 an der Außenfront der Kapelle weichen. Erst seit einigen Jahren trägt unsere Kirche wieder sichtbar ihren Namen. 

1939 beginnt der 2. Weltkrieg. 

Prediger Paul Wolf kommt nach Schwarzenberg. Die wehrfähigen Brüder werden zum Kriegsdienst eingezogen, Abendveranstaltungen unterliegen der Verdunklungspflicht, die Jugend der Gemeinde stand unter der besonderen Beobachtung der ideologischen Führer dieser Zeit. Es herrschte Kohleknappheit. Die Gemeinde rückt enger zusammen und steht in der Not zueinander. 1940 kommt Johanngeorgenstadt zu Schwarzenberg hinzu. 1941 können keine Kirchenzeitungen und Abreißkalender mehr gedruckt werden, für Christen und die missionarische Arbeit ein besonders großer Mangel in dieser schweren Zeit. 1944 erhält Prediger Wolf Unterstützung durch Gemeindeschwester Ella Süß. 

Im Jahre 1946 feiert die Gemeinde ihr 75. Gemeindejubiläum. Bruder Alfred Viertel hat einen geschichtlichen Überblick erarbeitet, der uns glücklicherweise noch erhalten ist. Prediger Wolf hat diesen Bericht mit wenigen Korrekturen handschriftlich in das Kirchenbuch geschrieben und damit autorisiert. (Im vorliegenden Buch finden wir diesen Bericht im Anhang) 


1949 wird die DDR gegründet. 

Im September 1954 findet erstmalig ein Kreissängerfest in der Georgenkirche zu Schwarzenberg statt. Es wird als ein bahnbrechendes Ereignis bewertet, denn damit beginnt ein friedliches Nebeneinander der Kirchen Durch den Wismut-Bergbau muss 1958 die Gemeindearbeit in Johanngeorgenstadt eingestellt werden. Der größte Teil der Altstadt wird abgerissen, die Menschen zwangsumgesiedelt und die übrig gebliebenen Gemeindeglieder gehen nun nach Steinbach. 1958 nimmt Pastor Schaarschmidt umfangreiche Umgestaltungen im Kirchsaal vor, die heute noch zum großen Teil vorhanden sind. 1962 beschließt der Gemeindevorstand Schwarzenberg die Anschaffung einer Orgel. 

Pastor Langmasius gelingt in seiner Dienstzeit trotz größter Bemühungen weder der Einbau der Orgel noch der Kapellenbau in Neuwelt. Ein Antrag nach dem anderen wurde durch die Behörden abgelehnt. Nur die seit 1943 notwendige Neueindeckung unseres Kirchendaches konnte vollzogen werden. – Ein markantes Stück DDR Geschichte! 

1970, zur Dienstzeit von Pastor Weigelt, kann endlich die Kapelle in Neuwelt und die Schwarzenberger Orgel in Dienst gestellt werden. Ab 1. Januar 1973 tritt die Neuaufteilung der Gemeindebezirke auf dem Konvent in Kraft. Zum Gemeindebezirk Schwarzenberg gehören nun noch Neuwelt und Pöhla. Unsere Dienstzeit begann 1982. Alle großen und kleinen Ereignisse haben wir miteinander erlebt. Im Buch findet sich alles wieder. 

Das 125 jährige Kirchenjubiläum konnten wir als älteste von den Methodisten erbaute Kirche in Sachsen im Jahr 2008 feiern. Die Festpredigt von Dr. Michael Wetzel finden wir im Anhang des Buches, das zum Preis von 7.50 € in der Zionskirche zu erhalten ist. 



Eva-Maria Schönfeld
Chronik der evangelisch - methodistischen Gemeinde Schwarzenberg

Zum Preis von 07,50 €uro erhältlich über die evangelisch - methodistische Zionskirche Schwarzenberg, Erlaer Straße 8, 08340 Schwarzenberg