Gedanken zum Auferstandenen

Spricht Jesus zu ihr: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?“
Johannes 20,15

Maria von Magdala steht vor dem Grab, vor dem Abgrund an Trauer und Verzweiflung.
Die Schreie und Schmerzen, die Qual, der Tod, die geweinten Tränen
– all das ist erst drei Tage alt. Kaum vergessen.
Sie kommt ans Grab, ein Loch aus Tod und Nichts, ist auf einen Leichnam gefasst, zerschunden, gebrochen,
zerfoltert. Aber was sie sieht, kann sie nicht glauben: Das Grab ist leer.
Marias Gedanken rasen: Wo ist Jesus? Wer hat ihn genommen?

Kein Wunder, dass Maria Jesus nicht erkennt, als er genau vor ihr steht.
Sie kennt ihn doch, ganz genau, hat ihn Tag um Tag mit leiblichen Augen gesehen.
Aber ihre Augen des Herzens sind noch verschlossen.
Wie sollte es auch anders sein! – Sie erwartet ihn nicht, nicht mehr, nicht hier, nicht an diesem Ort, nicht
vor dem Grab und erst recht nicht lebendig.

Manchmal sind auch uns – wie Maria – die Augen verschlossen, weil wir nur noch
den Tod und das Ende um uns herum sehen. Wie Maria bleiben nur noch Tränen
übrig, weil wir uns verloren und verlassen fühlen.
Zerplatzte Träume und Hoffnungen, Misserfolge und Niederlagen wirken oft stärker als das Neue und Lebendige,
was um uns herum beginnt zu wachsen.
Wie oft erwarten wir nicht die Auferstehung, sondern eher das Tote.
Wie oft sind unsere Augen des Herzen verschlossen.

Gut, dass der Lebendige selbst uns an solchen Orten entgegenkommt.
Gut, dass er es ist, der uns fragt: „Was weinst du? Wen suchst du?“
Und gut, dass Jesus zum Schluss Maria beim Namen nennt, denn in diesem Moment erkennt sie ihn,
erkennt sie die Hoffnung und erkennt das Leben.
Da, wo unser Blick im Alltag auf Ende oder Tod gestellt ist, da tritt uns der Auferstandene entgegen!
Er richtet uns auf, zeigt uns den Weg zum Leben, weil er das Leben ist.
All die Tränen dürfen nun abgewischt werden und unser Mund darf mit Lachen erfüllt sein, weil
Jesus uns die Tür zum Leben aufgetan hat.
 
Die Welt erblüht ganz neu am Ostermorgen!

– Mögen auch wir dies in unserem Leben erfahren, dass trotz aller Zaghaftigkeit,
in allem Sorgen und Fragen neues Leben sich Bahn brechen wird.


Mit freundlichen Grüßen und Segenswünschen,
Pastor Benzing